Der ganze Hamlet ist ein Quiz

"Showtime" und "Knock-Out" beim Autorenwochenende im Stuttgarter Depot-Theater


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Große Erleichterung deshalb bei der zweiten Premiere: Katharina Schmitt, Jahrgang 1979, legt es nicht darauf an, den Zuschauer aus ihrer Szenenfolge auszuschließen. In neun Momentaufnahmen handelt ihr "Knock-Out" nachvollziehbar von Kampf und Krieg. Inspiriert von Gerhard Richters Bildzyklus "18. Oktober 1977" blitzt in ihrem dialogisch gebauten Stück auch die Tragödie auf, die sich an dem erwähnten Tag in Stammheim ereignete, der Selbstmord der RAF-Gefangenen Ensslin, Baader, Raspe. Doch die Jungdramatikerin ist klug genug, die deutsche Terrorgeschichte nicht platt dokumentarisch abzuschildern. Assoziativ verwebt sie den Stoff mit anderen, allerdings verwandten Motiven, so dass Muster aus Gewalt und Gegengewalt, Drill und Erniedrigung, Rache und Verzweiflung herauskommen - auch in der von Clemens Kaiser mit großer Sachlichkeit besorgten Inszenierung. 

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Roland Müller