„SAM“ im Wiesbadener Museum: „Nichtstun im Käfig“

„Es geht ja immer nur darum, was man mit seiner Lebenszeit anstellt.“ Das ist die Prämisse des Künstlers Tehching Hsieh für seine Performance „Cage Piece“, die er 1978 in seinem Studio in den USA aufgestellt hat: Für genau ein Jahr schloss er sich in einem Käfig ein; er sprach nicht, machte nichts, bekam von einem Bekannten täglich - das immer gleiche - Essen gebracht.

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Hier geht die Autorin natürlich von ihrem Gegenstand weg. Und mit ihr tun es die Darsteller in „SAM“, das von Tilman Gersch in eine Art Choreografie übersetzt wurde, die mit der taiwanesischen Herkunft des Protagonisten wie dem, was wir davon für authentisch halten, spielt: Benjamin Krämer-Jenster bleibt dabei völlig in der Rolle, immer „majestätisch“ und immer mit großer Körperspannung kommt er seinen Übungen nach, verliert selbst im Ausrasten nicht die Kontrolle; Franziska Beyer dreht die Geschichte weiter bis an den Rand des Nervenzusammenbruchs: „Bitte überschreiten Sie die Markierung nicht.“„Ich werde nicht mit Ihnen sprechen“, heißt es gleich am Anfang - sie tun es ja dann doch. Gut so, eine schöne Stunde in den Räumen des Museums - mit viel Beifall bedacht.

Gerd Klee, Main-Spitze

Einsamkeit als Experiment: Theaterstück „SAM“ uraufgeführt

 

(...) Der Ort war bewusst gewählt. Im Wiesbadener Museum begann vor 50 Jahren 1962 mit der Zertrümmerung eines Klaviers die Kunstbewegung Fluxus. Sie verkündete: Alles kann Kunst sein, Kunst und Alltag sind eins. Auch Performance-Künstler Tehching Hsieh stand in dieser Tradition.
„Ich bin ein lebendes Ausstellungsstück“, lässt Schmitt ihre Figur Sam sagen. Zwölf Monate lang verließ Tehching Hsieh seine Zelle nicht. Ein Freund brachte ihm täglich das Essen und fotografierte ihn, alle zwei Wochen durften Besucher ihn für 20 Minuten sehen.
In der Rolle dieser Besucher fanden sich die Premierengäste. „Sie haben voyeuristische Züge“, hielt Sam ihnen vor. Sein Monolog zeigte die wachsende Sehnsucht des Einsamen nach anderen Menschen wie seine wachsende Furcht. „Ich freue mich, dass Sie hier sind“ wechselte sich ab mit: „Ihre physische Anwesenheit ist mir unangenehm.“
Schmitts Text hat poetische Qualitäten, Wiederholungen geben ihm Rhythmus.  „Es lässt sich nichts sagen über die Isolation des Menschen ohne andere Menschen“ - das war die Kernaussage des Stückes. Freundlicher Beifall belohnte die Schauspieler, Regisseur Tilman Gersch und die anwesende Autorin. (...)

Echo-online.de